Die häufigste Frage bei Elektrofahrzeugen lautet nicht „Wie weit kommt es?“, sondern „Wo lade ich?“. In einer Stadt wie München, in der viele Menschen zur Miete wohnen und am Straßenrand parken, ist das die entscheidende Hürde.
Fall 1: Laden beim Arbeitgeber
Wenn Sie am Arbeitsplatz laden können, ist die Frage praktisch beantwortet. Acht Stunden an einer normalen Wallbox reichen für jede übliche Tagesstrecke. Steuerlich ist das Laden beim Arbeitgeber bislang begünstigt — ein Punkt, den viele Beschäftigte nicht kennen.
Fall 2: Tiefgarage ohne Anschluss
In Eigentümergemeinschaften besteht seit der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes ein Anspruch auf die Erlaubnis zum Einbau einer Lademöglichkeit — die Kosten trägt allerdings der Antragsteller. In Mietverhältnissen gilt Ähnliches. Der Weg ist machbar, dauert aber oft Monate. Wer diesen Weg gehen will, sollte ihn vor dem Fahrzeugkauf beginnen.
Fall 3: Reiner Laternenparker
Hier wird es ehrlich schwierig. Öffentliches Laden kostet je nach Anbieter das Zwei- bis Dreifache des Haushaltstarifs, an Schnellladern noch mehr. Damit schmilzt der Kostenvorteil, der ein E-Auto überhaupt erst rechtfertigt. Dazu kommt der Zeitaufwand: Jede Ladung will geplant werden, freie Säulen sind nicht garantiert.
Unsere Empfehlung in diesem Fall ist meist ein Mildhybrid oder ein sparsamer Benziner — auch wenn wir damit ein günstigeres Fahrzeug verkaufen.
Der Zwischenweg: Zweitwagen elektrisch
Wer im Haushalt zwei Fahrzeuge hat und einen Stellplatz mit Steckdose, fährt oft gut damit, den Zweitwagen zu elektrifizieren. Ein ë-C3 mit 320 Kilometern Reichweite lässt sich an einer normalen Schuko-Steckdose über Nacht nachladen — für Einkäufe, Kita und Arbeitsweg reicht das mit Abstand.
Die Rechnung, die wir mit Ihnen machen
- Wie viele Kilometer im Jahr, wie verteilt?
- Welche Lademöglichkeit besteht heute, welche in einem Jahr?
- Welcher Strompreis gilt für Sie, welcher an den Säulen in Ihrer Nähe?
- Wie viele Langstrecken über 300 Kilometer fallen an?
Aus diesen vier Antworten ergibt sich die Empfehlung — nicht aus dem Prospekt.